Streckenlänge: 6 km

Donnerstag, den 7. Juni 2018

Kommt man ins Zittauer Gebirge, in das Gebiet der Lausche, nach Waltersdorf oder Großschönau, so denkt man sicherlich in erster Linie an Umgebindehäuser und Urlaubsromantik. Doch was ist das? In Großschönau erblicken wir plötzlich inmitten einer idyllischen Natur, in unmittelbarer Nachbarschaft zu alten Weberhäusern in traditioneller Umgebindebauweise, Fabrikgebäude aus dem vorletzten und letzten Jahrhundert. Dazwischen stehen Villen aus der gleichen Zeit, die den bekannten Vorstädten Dresdens alle Ehre gemacht hätten.

 
Villa J. G. Haebler (links, heute Gemeindeamt) und Fabrikgebäude der Firma Fabian & Krause (rechts)

Um zu ergründen, was es damit auf sich hat, werden wir mehrere Abschnitte des Textillehrpfads nutzen, der sich in zahlreichen Stationen über die gesamte Ortschaft erstreckt. Die Geschichte des Textildorfes hat es nämlich in sich! Es begann bereits im Jahre 1666 damit, dass sich Großschönau peu à peu zu einem herausragenden Standort der europäischen Damastweberei entwickelte. Alle namhaften europäischen Fürstenhöfe bestellten Ihre kostbare Tafelwäsche in Großschönau, die hier nicht nur gewebt, sondern auch entworfen wurde. Im 19. Jahrhundert wurde die aufwändige Damast- durch die Jaquardweberei abgelöst. Weiter ging es mit der Einführung mechanischer Webstühle, dem Antrieb durch Dampfmaschinen und dem Betrieb des ersten Frottierhandwebstuhl Deutschlands, dem weitere folgen sollten. Vor allem in der Gründerzeit ging es mit der industriellen Entwicklung in Riesenschritten voran.


Deutsches Damastmuseum, das so genannte „Kupferhaus“ (links) und Villa Hänsch (rechts)

Technischer Fortschritt in Form von elektrischer Beleuchtung, Telefon und neuen Verfahren hielt in rascher Folge Einzug. Mitte der Zwanzigerjahre gab es viele große Betriebe mit 100 bis 360 (!) Webstühlen. Das erklärt wohl zur Genüge, dass es im Ort diese Anzahl prächtiger Fabrikantenvillen gibt. Der Lauf der Geschichte hinterließ auch in Großschönau mit seiner Textilindustrie seine Spuren. Weltwirtschaftskrise, Kriegsproduktion, Verstaatlichung und Reprivatisierung prägten die Entwicklung im zwanzigsten Jahrhundert. Genauer werden wir uns darüber in der Firma Frottana informieren.

Höhepunkt unserer zwar kleinen, aber sicherlich sehr interessanten Wanderung wird die Besichtigung des Deutschen Damast- und Frottiermuseums sein. Deutsches Damastmuseum, das so genannte „Kupferhaus“ Am Ende sollten wir in bestem „Äberlausitzerisch“ – natürlich mit dem typischen gerrrrollten eRRRRRR – sagen können: „Kummste noach Grußschiene nei, doann kummste außn Schtaun‘ goarnimmer raus!“.

Text und Bilder: Gunter Zimmermann (NaturFreunde Dresden)